Moderne Mythen

(ACHTUNG: Dieser Artikel ist darauf ausgelegt manche der Fakten selbst zu recherchieren, weil Ostern naht.)

Unter einem Mythos versteht man einerseits eine Erzählung, mit der Menschen und Kulturen ihr Welt- und Selbstverständnis zum Ausdruck bringen.

Andererseits bezeichnet der Begriff Mythos aber auch Personen, Dinge oder Ereignisse von hoher symbolischer Bedeutung, oder einfach nur eine falsche Vorstellung oder Lüge.

Anfang der 90er hat sich der Abgeordnete zum Europaparlament der FPÖ, Andreas Mölzer, hinlänglich bekannt als „nationalliberaler Kulturdeutscher“, einer Erzählung angenommen, die sein Welt- und Selbstverständnis offenbarte, „Der Graue“.

In einer postapokalyptischen Welt sucht ein übriggebliebener Arier nach seinem weiblichen Pendant, trifft aber zunächst nur eine „Bronzefarbene“, die er vergewaltigt und verprügelt…

„Ihre vorher bronzeschimmernde Haut war mit Schweiß und Blut verschmiert, blaue Schwielen und Kratzspuren zogen sich über die Brust, die sich in langsamen, gepreßten Stößen hob und senkte. (…) Der Körper der Diva lag willenlos auf dem zerrauften Lager, Sperma tropfte von der Innenseite ihrer Schenkel auf den Teppich.“

(Quelle: http://derstandard.at/1395363260182/Moelzer-als-Dichter-Shades-of-Brown)

Na ja, der eine versucht sich als Maler, der andere als Schriftsteller, bevor es in die Politik geht. Träume soll man ja bekanntlich leben.

Just zu dieser Zeit war auch der Protagonist eines anderen Mythos zum Wohle der Arier tätig.

Dieser Mythos jedoch ist einer, bei dem wir nun überprüfen werden, ob er eine falsche Vorstellung oder Lüge ist.

Beziehungsweise versuchen wir ihn zu verifizieren oder zumindest zu eruieren, ob es sich um eine plausible Geschichte handelt.

Ja, wir geben es zu, ein bisschen wie bei den „Mythbusters“, nur ohne Schußwaffen und Sprengstoff.

Begonnen hat unser Interesse für diesen Mythos mit der Karikatur in Mölzers Wochenzeitung „Zur Zeit“, die die diesjährigen Demonstrationen gegen den Akademikerball (vormals WKR-Ball), mit der Reichskristallnacht im November 1938 verglich.

Der Stil der Karikatur kam uns bekannt vor, tauchen doch im FPÖ-Umfeld immer wieder Karikaturen dieser Machart auf.

Etwa bei der FPÖ Wien, als es darum ging Ute Bock zu verunglimpfen.

Bei unzensuriert.at tauchen Karikaturen im selben Stil auf, nachdem sie in der „Neuen Freien Zeitung“ publiziert wurden, dem publizistischen Organ der FPÖ.

Und der BPO himself, der postet auch ab und an Karikaturen, die zweifelsohne vom selben Künstler stammen könnten…

Beispiel 1: http://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151452039833591&set=a.226243068590.133860.74865038590&type=1&theater
Beispiel 2: http://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151101293393591&set=a.226243068590.133860.74865038590&type=1&theater

Wer also ist der geheimnisvolle Karikaturist?

Der Mythos besagt folgendes…

Der Mann hinter den Karikaturen ist ein Anfang der 90er wegen Wiederbetätigung verurteilter Neonazi.

Der Mythos betrifft jedoch nur Einzelkarikaturen dieser Machart, nicht die Comics „HC Man“, „Sagen aus Wien“ oder „Der blaue Planet“. Diese soll der deutsche Zeichner Horst Grimm erstellt haben.

Unser Protagonist soll ein Schützling von Herbert Schweiger gewesen sein, der wiederrum SS-Untersturmführer in der Leibstandarte Adolf Hitler war und in Folge einer der bekanntesten rechtsextremen Publizisten in Österreich. Laut DÖW die „graue Eminenz der deutsch-österreichischen Neonazi-Szene.

Schweiger arbeitete auch eng mit dem österreichischen Holocaustleugner Gerd Honsik zusammen.

Unser Protagonist, der aus Klagenfurt stammt, zeichnete außerdem für das Layout von Schweigers Buch „Evolution und Wissen – Neuordnung in der Politik“ verantwortlich.

Das Buch brachte Schweiger eine Verurteilung wegen NS-Wiederbetätigung ein.

Vor Gericht gestanden ist unser Protagonist allerdings mit einer anderen schillernden Person der Neonazi-Szene, Andreas Thierry

schatzmayr und thierry 1994 1
(Bild vom Prozess 1995, links der Protagonist, rechts Thierry.)

Die beiden standen wegen §3h des Verbotgesetzes vor dem Klagenfurter Landesgericht. Sie hatten ein Flugblatt gestaltet und verteilt, welches den Titel „Wahrheit über die Waffen-SS“ trug und unter anderem propagierte…

„Es ist eine Lüge, daß die Waffen-SS eine verbrecherische Organisation gewesen ist. Wahrheit ist vielmehr, daß sie ehrenhaft und anständig gekämpft hat.“

Thierry und der Protagonist sollen auch der deutschen „Nationalistischen Front“ angehört haben, die 1992 in der BRD als verfassungswidrige Organisation verboten wurde. Kontakt zur „Nationalistischen Front“, hatte auch Jürgen Hatzenbichler, der in Kärnten in der rechtsextremen Partei „Nationale Front“ tätig war.

Thierry und Hatzenbichler sind insofern interessant, da sie sich auf dem „Paintball-Gruppenbild“ zusammen mit dem BPO wieder finden. Eine Bekanntschaft zwischen dem BPO und unserem Protagonisten würde also nahe liegen.

Soviel zur Vergangenheit des Unbekannten, der im Zusammenhang mit Neonazi-Umtrieben meist mit seinem zweiten Vornamen „Adolf“ angeführt wird.

Was der Protagonist unseres Mythos Anfang der 90er getrieben haben soll, wissen wir nun. Auch die Betätigung im „kreativen“ Bereich scheint auf eine Urheberschaft der Karikaturen hinzuweisen.

Mit beiden Vornamen und dem Nachnamen kommt man bei Google, die Gegenwart betreffend, nicht weit.

Lässt man allerdings bei der Google-Bildersuche den zweiten Vornamen „Adolf“ weg, begnügt sich also nur mit „H….. S………“ und fügt den Suchbegriff „Karikatur“ hinzu, dann erblickt man bei den obersten Suchergebnissen Zeichnungen, die zumindest im Stil den FPÖ-Karikaturen ähnlich sind und einer Kampagne der KELAG entstammen.

Der Mann der diese Zeichnungen erstellt hat, ist Gesellschafter einer Werbeagentur, die in Klagenfurt und Wien ansässig ist, aber nicht zwangsläufig mit unserem Protagonisten ident ist.

Bilder dieses Mannes sind per Internetrecherche quasi nicht auffindbar, auch keine Social Media Profile oder Sonstiges.

Bemüht man die Google-Websuche mit selbigen Begriffen wie die Bildersuche, dann gelangt man zu einem Artikel der „Blauen Narzisse“, einem Jugendmagazin, dass der „Neuen Rechten“ zugeordnet wird.

Im Artikel selbst wird der Wochenzeitung „Junge Freiheit“, die zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus zu verorten ist, zum 25-jährigen Jubiläum gratuliert.

Zu diesem Anlass wurde das Buch „25 Jahre Junge Freiheit“ veröffentlicht, in dem sich laut „Blaue Narzisse“ Karikaturen eines Österreichers befinden, der den selben Namen trägt wie der Gesellschafter der Werbeagentur.

Wer ein bisschen weiter sucht, der stößt in Zusammenhang mit der „Jungen Freiheit“ bald auf ein geleaktes Adressverzeichnis der Autoren der Wochenzeitschrift.

Hier scheint, zwei Zeilen über Andreas Mölzer, wieder der Name auf den auch unser Protagonist trägt, inclusive einer Adresse in Klagenfurt.

Wer nun diese Adresse in Kombination mit dem Namen der Werbeagentur googelt, der erfährt, dass es sich um eine alte Adresse handelt, da 2011 ein Umzug der Agentur stattfand.

Oben genannter Jürgen Hatzenbichler, der sich Anfang der 90er im Umfeld des Protagonisten befand, war übrigens zunächst „Auslandskorrespondent“ der „Jungen Freiheit“ in Österreich und später Chefredakteur der österreichischen Ausgabe.

Durch das Amtsblatt der Wiener Zeitung vom 10. Oktober 2013 lässt sich das Alter des Gesellschafters der Werbeagentur auf aktuell 41 festlegen, womit er Anfang der 90er Anfang 20 gewesen wäre und in die Zielgruppe passen würde.

All diese Erkenntnisse reichen jedoch nicht aus um den Mythos zu verifizieren, da einige direkte Verbindungen fehlen.

Da man aber auch nicht von davon sprechen kann, dass er widerlegt wurde, bekommt dieser Mythos von uns ein eindeutiges „plausibel“.

Somit gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Der Tante Mölzer (Das hat der Grosz gesagt, nicht wir!) wünschen wir alles Gute, was immer auch am Mittwoch rauskommt.

Wäre jedoch schade, wenn die FPÖ ihren „Intelektuellen“ verliert!

 

 

 

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2 Antworten zu Moderne Mythen

  1. Pingback: Stoppt die Rechten » Bawekoll auf Schatzsuche

  2. euch gestalten finde ich besonders amüsant. eure geistige abnormalität solltet ihr wirklich einmal untersuchen lassen. der trinkfreudige karli bewirbt euch zwar fleißig, inhaltlich lohnt sich der blick jedoch meistens nicht. eine mischung aus ziemlich peinlichem sarkasmus und ebensolcher ironie gepaart mit seichter information. ich mein, ich verstehe schon, der – nunmehr amtlich! – als kranker geltende öllinger karli sucht die nähe zu euch: vereint unter eurer östlichen ideologie.
    man müsste auch genetisch zweifelhaftes wie euch nicht tolerieren. eines ist offenbar: die zeiten werden rauher, die stärke der strukturen, die derart geratene viehmenschen in der form gewähren lassen, schwindet bereits. denunzianten, hetzer und volksfeinde erkennen immer zu spät, wie hoch die trauben hängen.

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