Interview mit Stadtrat Detlef Wimmer

Der Linzer Sicherheitsstadtrat der FPÖ, Detlef Wimmer, taucht ja in den letzten Tagen wiederholt in den Medien auf, meist in Zusammenhang mit Rechtsextremisten in seiner Stadtpartei.

Darum ist auch auf seinem Facebookprofil einiges los.

Unser Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, der Herr Lehmann, hat die Gelegenheit genutzt und ein Interview mit Detlef Wimmer geführt. Wobei wir eine gewisse Unredlichkeit unsererseits bekennen müssen.

Der Herr Lehmann nennt das gern „Guerillajournalismus“, da der „Interviewpartner“ sich eigentlich der Interviewsituation nicht bewusst ist und auch kein Einverständnis zur Veröffentlichung des selbigen gibt.

Da das Gespräch aber in einem öffentlich zugänglichen Bereich von Facebook stattfand und auch für Personen einsichtig ist, die nicht auf Facebook registriert sind, scheint uns eine Veröffentlichung moralisch unbedenklich.

Da an dem Dialog mehrere User beteiligt waren, geben wir hier, der Lesbarkeit halber, hauptsächlich das Gespräch zwischen Detlef Wimmer und dem Herrn Lehmann wieder.

Wenn sich Passagen auf Aussagen anderer User beziehen, erfolgt im Vorfeld eine Erklärung.

Wer sich überzeugen will, wie der Dialog aller Beteiligten abgelaufen ist und das von uns nichts aus dem Zusammenhang gerissen wurde, der kann hier nachlesen.

Geführt wurde das Gespräch unter einem Posting von Detlef Wimmer, vom 23.04.2013…

Detlef Wimmer…freut sich über eine neue Rücktrittsaufforderung seitens der Sozialistischen Jugend: „Wenn die linksextreme SJ will, dass ich im Amt bleibe, dann hätte ich einiges falsch gemacht!“

Gestern, am 24.04.2013 gegen 22:00 Uhr hat Herr Lehmann das Gespräch wie folgt eröffnet…

Herr Lehmann: Sollten Sie auf eine Rücktrittsaufforderung der SJ nicht mit den Worten von Georg von Frundsberg reagieren? „Viel Feind, viel Ehr!“

Herzlichst, Ihr https://bawekoll.wordpress.com

Wimmer: Ich strebe nicht möglichst viele Feinde an, nehme sie aber bei Attacken in Kauf. Lieber ist mir „Ehr“ durch Sacharbeit, wie auch Artikel in meinem FB-Profil zeigen.

Stadtrat Wimmer reagiert dann auf die Vermutung eines anderen Users, dass er ein Mitglied von alpen-donau.info bzw. dem Bund freier Jugend gewesen sei…

Wimmer:…Beweise, dass ich bei Alpen-Donau oder BFJ war, sind Sie mir schuldig. Liegt vielleicht daran, dass beides frei erfunden ist. Dass ich ehem. BFJ-Leute kenne (Anm.: unbescholtene Bürger), habe ich nie geleugnet. Aber ich kenne sehr viele Menschen.

Herr Lehmann: Herr Wimmer, bei aller Antipathie müssen wir anerkennen, dass Sie konsequent Ihrer Argumentationslinie folgen.

Und es stimmt, Sie waren weder bei ADI, noch beim BFJ.

ADI hat Sie nur mehrmals als eine Person bezeichnet, die die FPö wieder in die richtige Richtung führen könnte, aber, auch da haben Sie recht, das kann man Ihnen nicht ankreiden, da Sie ja nicht die Verantwortung dafür übernehmen können, was jemand anderer über Sie schreibt.

Was den BFJ betrifft, hatten Sie damals, als RFJ-Obmann, zumindest keine Probleme damit, wenn Mitglieder des RFJ auch beim BFJ aktiv waren.

Da der BFJ, wie die VAPO, keine Mitgliederlisten führt, ist das leider aber sehr schwer zu beweisen.

Was jedoch bewiesen ist, ist der Besuch von Gottfried Küssel und Felix Budin am Sommerfest des BFJ im Jahr 2007.

Wimmer: Danke für die sachliche Darstellung. Ich darf ergänzen, dass in meiner Zeit als RFJ-Funktionär auf Landes- und Bundesebene jeweils auf meinen Antrag Beschlüsse herbeigeführt wurden, wonach eine zeitgleiche Mitgliedschaft in (Aktivität bei) unterschiedlichen politischen Jugendorganisationen nicht statthaft ist. Richtig ist aber, dass einzelne, wenige Personen mutmaßlich zunächst beim BFJ und später (danach) beim RFJ aktiv waren.

Da ich oft Transparenz einfordere, habe ich mit offenem, korrektem Umgang trotz anderer Sichtweisen überhaupt kein Problem. Ich verachte nur Vernaderung ohne Chance auf sachlich korrekte Darstellung. Bei bestimmten Fragen können Sie mir gerne auch ein Mail schreiben. Spart Ihnen vielleicht gelegentlich „Recherchearbeit“. An diesem Sommerfest 2007 habe ich nicht teilgenommen und hätte es bei Kenntnis dieser Teilnehmer auch nicht getan.

Herr Lehmann: Wir hätten Sie auch auf den Fotos vom Sommerfest nicht gesehen, würden also nie behaupten Sie wären dort gewesen.

Das mit der „zeitgleichen Mitgliedschaft“ ist aber eine Spitzfindigkeit, da der BFJ nun mal keine Mitglieder, sondern „unabhängige, freie, demokratie- und volksbewußte Mitstreiter“ hatte, die ehrenamtlich mitarbeiteten.

Und obwohl der Verfassungsschutzbericht 2007 den BFJ als „aktivsten Träger rechtsextremen Gedankenguts“ bezeichnete, habe Sie ihn damals als, beziehungsweise genau deswegen, „erlaubte“ Jugendorganisation bezeichnet.

Sie hatten damals ja auch nichts dagegen, als RFJ-Mitglieder auf NPD-Veranstaltungen fuhren.

Probleme hätten Sie gehabt wenn RFJ-Mitglieder bei der „Love-Parade, wo es um Schwule und Lesben geht“ mitgemacht hätten.

Was hat sich mittlerweile geändert, dass die NPD auf einmal ein No-Go in der FPÖ OÖ sein soll?

Wimmer: Gebe Ihnen Recht, „Mitgliedschaft“ würde juristisch aus verschiedenen Gründen zu kurz greifen. Deshalb auch wie oben geschrieben“Aktivität“, worunter die von Ihnen genannte „ehrenamtliche Mitarbeit“ in diversen Organisationen fällt.

Ad NPD: War selbst nie bei der NPD „zu Gast“ und sehe persönlich auch keinen Sinn darin, sie zu besuchen. Aber nicht jeder, der einmal bei der NPD oder nahen Organisationen als Gast war, setzt damit aus meiner Sicht automatisch einen Partei-Ausschlussgrund.

Ad BFJ: Juristisch kann man argumentieren, dass die BFJ-Aktivisten rechtskräftig von allen Vorwürfen freigesprochen wurden. „Erlaubt“ ist, was nicht verboten ist. Das enthält per se aber keine inhaltliche Wertung. Dass ich politisch andere Organisationen dem BFJ bevorzuge, zeigt sich wie gesagt daran, dass ich dort weder Mitglied, noch „aktiv“ war.

Herr Lehmann: Sie sehen also in der Ausrichtung und den Mitgliedern der NPD keine politische Problematik?

Wimmer: Doch, ich sehe darin eine grundsätzliche Problematik. Mir gefällt diese Ausrichtung nicht und würde ich mich in der BRD vermutlich durch keine politische Partei vertreten fühlen.

Zwei FDP-Bürgermeister in kleineren Gemeinden kenne ich persönlich und gibt es in der Kommunalpolitik viele Überschneidungspunkte, das kann ich mir am ehesten vorstellen. Auf Bundesebene ist aber auch die FDP aus meiner Sicht überwiegend untragbar.

Herr Lehmann: Stimmt, Westerwelle und Rössler, wir verstehen was Sie meinen!

Wimmer: Kenne ich nicht persönlich und kann ich schwer beurteilen. Ihre „Performance“ ist aber überschaubar und klagt zurecht auch ein Teil der Basis darüber. (Anm. gemeint ist die „Performance“ von Westerwelle und Rössler)

Herr Lehmann antwortet dann einem anderen User, der wiederholt die KPÖ mit der NPD vergleicht und der KPÖ Stalinismus vorwirft…

Herr Lehmann: …die heutige KPÖ setzt sich aber auch für eine Mobilitätsabgabe ein, die es ermöglichen würde öffentliche Verkehrsmittel unentgeltlich zu benutzen, sie setzt sich, seit Jahrzehnten, für leistbare Mieten ein. Eine weitere Forderung der KPÖ seit Jahren ist, dass Menschen die durch herrschenden Zustände finanziell ins Trudeln gekommen sind, eben nicht mitten im Winter Strom und Gas abgedreht wird.

Die KPÖ in Graz ist auch nicht aufgrund von Agitprop erfolgreich, sondern durch soziales Engagement, das soweit geht, dass die wenigen Berufspolitiker der KPÖ einen Teil ihres Salärs Monat für Monat in einen Sozialfond einzahlen.

Stalinismus?

Detlef Wimmer steigt ins Thema ein…

Wimmer: Bzgl. KPÖ Graz völlig korrekt. In Graz leben niemals 20% „echte“ Kommunisten.

Herr Lehmann: Das trifft wohl auf jede Partei zu, dass Wähler oft aufgrund von Einzelaspekten ihr Stimme abgeben, aber eigentlich nicht mit dem Parteiprogramm konform gehen.

Wimmer: Ja, ich glaube, dass sich (leider) viele Wähler nicht mit Parteiprogrammen befassen.

Herr Lehmann: Wenn sich jeder, der eine Partei wählt, bewußt nach Lektüre des Parteiprogramms dazu entscheidet, dann wäre mit Populismus kein Blumentopf mehr zu gewinnen!

Wimmer: Das mag schon sein. Würde vielleicht auch umgekehrt die Qualität und Lebensnähe der Parteiprogramme erhöhen.

Der User, der der KPÖ Stalinismus vorwirft, bringt sich wieder ein…

User:…diese Forderungen werden größtenteils auch von der NPD erhoben, und auch diese Partei hat ihre Hochburgen, insbesondere in Mitteldeutschland. Wer ein NPD Pressefest besucht muß also zurücktreten, wer früher KPÖ Mitglied war aber nicht?

Herr Lehmann: Wir haben nie geschrieben, dass Besucher von NPD-Veranstaltungen zurück treten sollen. Wir haben auch noch nie von jemandem verlangt zurückzutreten. Wir wollten Herrn Wimmer nur um seine Meinung zu diesem Thema bitten.

Wimmer: Konnte ich dieser Bitte wunschgemäß entsprechen?

Herr Lehmann: Es war eine sehr diplomatische Antwort.

Wimmer: Stimmt. Dafür war sie schnell und ehrlich. Habe vorher nicht in’s Drehbuch geschaut, was ich hätte sagen sollen.

Detlef Wimmer (28) ist seit 2009 FPÖ Stadtrat in Linz an der Donau und Mitglied der rechtsextremen, deutschnationalen Burschenschaft Arminia Czernowitz.

Wir vom Basisdemokratischen Webkollektiv und insbesondere der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, der Herr Lehmann, möchten uns im Nachhinein herzlichst bei Herrn Wimmer für das Interview bedanken!

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