OFFTOPIC: Die unfreiwilligen Retter der Wehrpflicht

Wir wollen heute mal etwas zum Thema Wehrpflicht sagen, dass nicht nur die FPÖ betrifft, sondern auch die anderen Parteien, insbesondere die ÖVP und die SPÖ.

Die ÖVP, beziehungsweise die grauen Eminenzen im Hintergrund, haben ja vor kurzem die Debatte um die Wehrpflicht wieder reaktiviert, warum auch immer, denn eigentlich hat man das Gefühl, der eigentliche Zweck ist die frühzeitige Demontage der rot-schwarzen Koalition.

Aber der Schneeball ist nun losgetreten, wird größer und beschleunigt.

Hervorstechend ist dabei eines der Killerargumente der Wehrpflichtbefürworter, nämlich, dass ein Ja zur Wehrpflicht, ein Ja zum Zivildienst bedeutet.

Klingt zunächst völlig logisch, sieht man näher hin beginnt man allerdings zu zweifeln.

Wer sind sie denn eigentlich, diese Zivildiener, landläufig „Wehrdienstverweigerer“ genannt?

Salopp gesagt, handelt es sich Menschen die nicht lernen wollen wie man andere Menschen tötet, die einem persönlich eigentlich gar nichts getan haben, sehr salopp gesagt.

Eine noble Geste die seit jeher von der Republik Österreich mit längerer Dienstdauer und einem Spottentgelt bestraft wurde.

Die weiteren Nachteile gegenüber dem Präsenzdienst sind mannigfaltig, aber immerhin dürfen Zivildiener seit einigen Jahren gratis mit der ÖBB fahren, für Grundwehrdiener seit Jahrzehnten kein Problem.

Aber dafür entschädigen die Dienststellen mit unmöglichen Dienstplänen und einem Platz in der jeweiligen Hierachie, der meist noch unter eventuell vorhandenen „therapeutischen“ Haustieren ist.

Es gibt natürlich auch viele positive Beispiele, bei denen junge Menschen in ihrer Berufswahl unterstützt wurden und viel gelernt haben, allem voran Sparen.

Aber immerhin sind Zivildiener in der Bevölkerung angesehen, als unpünktliche, kiffende und Dreadlock tragende Taugenichtse, die sich davor drücken beim österreichischen Bundesheer zu „wahren Männern“ gemacht zu werden, die im Ernstfall, im Alleingang, bewaffnet mit einem Stg 77 und einer Handvoll Patronen, Österreich gegen eine erdrückende Übermacht einfallender (potentiellen Gegner einsetzen) verteidigen.

Doch nun ist alles anders, denn man hat die Zivildiener als Retter der Wehrplicht entdeckt.

Das Tragische an der Geschichte ist allerdings dieser Auszug aus dem Zivildienstgesetz §1, Abs. 4:

(4) Mit Einbringung einer mängelfreien Zivildiensterklärung wird der Wehrpflichtige von der Wehrpflicht befreit und zivildienstpflichtig…

Sieh an, ein Zivildiener ist also per Gesetz von der Wehrpflicht befreit!

Das würde jetzt rein faktisch bedeuten, dass wenn jemand von Wehrpflicht spricht, im gleichen Atemzug eigentlich nicht von Zivildienst sprechen dürfte.

Es ist ja noch nicht mal dasselbe Ministerium zuständig!

Aber wir brauchen unsere „Systemerhalter“ (böses Wort von dem sich alle distanzieren), denn ohne sie bricht alles zusammen, obwohl eigentlich nicht vorgesehen ist, dass Zivildiener Personal ersetzen, geschweige denn Blaulichtorganisationen am Leben erhalten.

Wenn sich jetzt manche um den Sozialbereich Sorgen machen, der ja anscheinend von Zivildienern abhängig ist wie Rechtspopulisten von der Selbstdarstellung, dann sollte man doch das Geld, dass man durch Abschaffung von Zivil- und Präsenzdienst einspart, hernehmen und dem Sozialbereich geben, damit der Personal einstellen kann.

Nämlich gut ausgebildetes Personal, nach dem ständig geschrien wird!

Aktuelle und ehemalige Zivildiener, wehrt euch gegen die Instrumentalisierung zur Rettung der Wehrpflicht, von der ihr euch mit eurer Unterschrift unter der Zivildiensterklärung befreit habt!!!

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9 Antworten zu OFFTOPIC: Die unfreiwilligen Retter der Wehrpflicht

  1. Mahiat schreibt:

    Das entscheidenste Argument gegen die Wehrpflicht ist die Wesensverwandtschaft zur Zwangsarbeit:
    “Als Zwangsarbeit wird eine Arbeit bezeichnet, zu der ein Mensch unter Androhung einer Strafe oder eines sonstigen empfindlichen Übels gegen seinen Willen gezwungen wird.” (Wikipedia)

    Die Wehrpflicht entspricht einer solchen Arbeit und beschneidet die individuelle Freiheit von jungen Männern. Nun wird man darin übereinstimmen, dass eine solche Verletzung von Grundrechten schlechthin abzulehnen ist, wenn sie keine Notwendigkeit hat. Daraus folgt, dass die Wehrpflicht abzuschaffen ist, sobald sie nicht mehr notwendig ist.
    Eine Abschaffung ohne Alternativmodell wäre wohl derzeit vor allem, wie von, wie ihr auch schreibt, Wehrpflichtsbefürwortern argumentiert wird, wegen der Notwendigkeit von Zivildienern problematisch. Die Entwicklung eines solchen Alternativmodells sollte also ein äußerst wichtiges Anliegen sein.

    Ich sage es nochmal in aller Deutlichkeit: Dass wir in Österreich in einem Staat wohnen, der junge Männer unter Androhung von Strafe zu kaum bezahlter Beschäftigung verpflichten muss, um das Funktionieren des Sozialwesens gewährleisten zu können, ist als furchtbarer Missstand zu betrachten. Ich verstehe ehrlich nicht, weshalb es in dieser Frage gerade in unserem Land derartig viele Diskussionen gibt. Dass die Wehrpflicht in einem aufgeklärten Europa keinen Bestand hat, sieht man am besten an dieser Karte: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Conscription_map_of_the_world.svg&filetimestamp=20110801190355

    Liebe Grüße

  2. Saubermann schreibt:

    Ich bin nicht ganz einverstanden mit eurer Beschreibung des Ansehens der Zivildiener in der Bevölkerung. Wir schreiben inzwischen nicht mehr die 1970er. Als ich vor einigen Jahren selber Zivildiener war, habe ich von den meisten Leuten hauptsächlich Bewunderung geerntet: „Ich könnte das nicht, was Sie machen, …“.

    Inzwischen ist es übrigens auch nicht mehr so, dass die jungen Männer ausschließlich aus Gewissensgründen den Zivildienst wählen. Viele sagen auch, dass sie lieber „was Vernünftiges“ mit ihrer Zeit anstellen wollen, wenn sie ohnehin in den sauren Apfel beißen. Also besser die harte Arbeit im Sozialbereich für ein Jahr als sechs Wochen Grundausbildung und danach ein paar Monate Komasaufen.

    • ex zivi schreibt:

      „ich könnte das nicht, was sie machen“ ist eben keine bewunderung, schon gar keine wertschätzung. das ist einfach eine floskel und nicht mehr.

      ich arbeite im sozialbereich und antworte auf diese floskel, ich könnte nicht wie du 8h/tag (oder mehr ohne die überstunden bezahlt zu bekommen) vor einem rechner sitzen, in einer metallverarbeitungsfirma arbeiten oder autos reparieren.

      ich empfände es als wertschätzung (im bezug auf die gesellschaft) meiner arbeit, würde mein kollektivvertrag bessere rahmenbedingungen bieten. alleine wenn man sich den gehalt anschaut, weiters die chronische unterfinanzierung des gesundheits- und sozialbereiches und die „vernachlässigung“ an hilfsangeboten für randgruppen der gesellschaft, sprechen für eine (sehr) geringe wertschätzung!

      ich war selbst zivildiener und es war ein witz – ich habe beinahe die selbe arbeit wie das fachpersonal verrichtet, mit dem unterschied: 50h pro woche, 2x pro monat wochenendsdienst und bekam dafür einen hungerlohn. „ich könnte das nicht, was sie da machen“ würde ich rückblickend über mich auch sagen, weil ich mich heute wehren würde (damals war ich leider zu „schwach“)

      • Saubermann schreibt:

        Ich gebe dir jedenfalls teilweise Recht: Statt Zivildienern benötigt der Sozialbereich vernünftig eingeschulte, motivierte und bezahlte Mitarbeiter.
        Ich wollte damals gerne bei meiner Zivildienststelle bleiben, natürlich regulär angestellt. Ich war nach einem Jahr eingearbeitet und habe mich ausgekannt, die Arbeit hat auch Spaß gemacht. Aber nein, geht nicht, es ist ja kein Geld da. Also weg mit dem alten und her mit dem neuen Zivildiener, der auch erst einmal 2-3 Monate braucht, um in diesen Job reinzuwachsen. Sehr traurig.

    • User? Name. schreibt:

      „Also besser die harte Arbeit im Sozialbereich für ein Jahr als sechs Wochen Grundausbildung und danach ein paar Monate Komasaufen.“

      Verdammt gute Argumente, die Sie hier abliefern. Einerseits gegen die Pauschalisierung von Zivildienern als feige Drückeberger auftreten, aber dafür die Wehrdiener als Dauersäufer hinstellen. Ich gehe mal so weit und stelle die Behauptung auf, dass sie sich als Zivildienstleistender einem Wehrdienstleistenden gegenüber als moralisch überlegen fühlen bzw. fühlten?

      Ich habe beispielsweise in meinen (damals noch acht) Monaten Wehrdienst genau einen (1) wirklichen Vollrausch eines einzigen Kameraden erlebt – der bezahlte am nächsten Tag dann auch dafür (Gefechtsdienst mit Kater ist *wunderbar*). Natürlich gibt es gewisse „Charaktere“, die sich gerne jeden Tag volllaufen lassen, aber die gibt es unter den Zivis auch. Also lassen wir bitte die Pauschalisierungen stecken – das verhindert nur eine sachliche Diskussion.

      • Saubermann schreibt:

        Ich habe halt von diversen Freunden erzählt bekommen, dass nach der Grundausbildung praktisch nichts mehr zu tun war. Um sich die Zeit totzuschlagen, floss auch Alkohol (aber nicht nur). Meine Bemerkung war überspitzt, trifft aber den Kern des Problems: 18-Jährige – fast noch Kinder – werden zuerst geschunden und wenn sie dann mit sich alleine gelassen sind, tun sie sich halt schwer, was Vernünftiges mit ihrer Zeit anzufangen.

  3. bh schreibt:

    wo bleibt den jetzt nur der Aufschrei der Emanzen,warum die Frauen nicht auch zum Wehr/Zivildienst müssen.
    Entspräche doch dem Gedanken der Gleichberechtigung 🙂

    • Florian E. schreibt:

      warum sollte man Frauen bei den Pflichten gleichberechtigen, wo sie doch in (fast) allen anderen Lebensbereichen nicht Gleichberechtigt sind. Ich bin auch dafür Frauen in die „Pflicht“ eines Zivieldienst oder Solidaritätsdienstes zu nehmen, aber erst wenn sie in allen anderen Lebensbereichen Gleichberechtigt sind.
      lg Flo (m)

  4. Pingback: Stimmen für Berufsheer und Sozialjahr statt Zwangsdienst | Personenkomitee „Unser Heer“

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