Rein in die Legalität – Das Vermächtnis der VAPO

(ursprünglich am 01.06.2011 veröffentlicht)

Da heute die Volkstreue Außerparlamentarische Opposition (VAPO) eine Rolle spielt, eine kurze Einführung.

Die VAPO war eine Neonazigruppe rund um Gottfried Küssel, von ihm 1986 gegründet und von ihm, wie folgt, beschrieben:

Die VAPO ist die fundamentale nationale Opposition. Sie ist keine Organisation im herkömmlichen Sinn, sondern eine lose Kampfgemeinschaft von nationalen Gruppen und Personen. […] Da auch keine Mitgliederlisten geführt, keine Verantwortlichen bestimmt und keine Organisationsformen und Instanzenwege beachtet werden müssen, ist der Zugriff durch Behörden sehr erschwert, ja nahezu unmöglich gemacht.

Ziele der VAPO waren die Neugründung der NSDAP und eine Machtergreifung in Österreich.

Die VAPO hielt auch Wehrsportübungen in Langenlois ab, unter der Leitung von Hans Jörg Schimanek jun., der laut Eigenaussage 7 Jahre bei der Wiener Garde diente. Schimanek ist, wie Küssel, bis heute aktiv.

Da Küssel in seiner Zeit in Deutschland, unter Michael Kühnen (ein Schelm, wer Böses denkt), durchaus einen guten Eindruck machte, schickte Bela Ewald Althans seine Wehrsportgruppen zur Ausbildung nach Österreich.

Aber nicht nur deutsche Neonazis, sondern auch HC Strache nahm einmal an einer solchen Wehrsportübung teil.

Das Vorgehen von Polizei und Justiz zu Beginn der 1990er Jahre (im Zuge der Ermittlungen zur Briefbombenserie) wurde von VAPO-Führungskadern mit der Parole „Rein in die Legalität“ beantwortet. In einem Kassiber, das Franz Radl jun. an Küssel sandte, wurde angeregt, auf eigenständiges Auftreten (z.B. Demos) zu verzichten und statt dessen in der FPÖ und deren Vorfeldorganisationen (Burschenschaften) unterzutauchen.

Im Zuge unserer Recherchen zur VAPO stolperten wir zweimal über einen Namen der uns bekannt vorkam. Zuerst in einer parlamentarischen Anfrage aus dem Jahr 1999 über die Aktivitäten früherer VAPO-Aktivisten und anderer Rechtsextremer:

Klaus Jessenitschnigg: 1995 wurde er zu einer Haftstrafe von 24 Monaten (davon 6 Monate unbedingt) verurteilt.

Dann in einem Auszug aus „Drahtzieher im braunen Netz“ von 1996, auf Google books:

In der Kameradschaft Walter Nowotny tummel(te)n sich nicht nur zahlreiche Aktivisten der VAPO wie der Linzer Kameradschaftsführer Klaus Jessenitschnigg

Durch Anfragen konnten wir noch herausfinden, dass sich das Urteil auf den Versuch des Aufbaus einer neuen VAPO-Zelle in Linz, bezog. Die VAPO war zu diesem Zeitpunkt schon behördlich verboten.

Die letzte und wichtigste Information folgt weiter unten, denn zuerst der Grund warum uns der Name bekannt vorkam.

Klaus Siegfried Jessenitschnig fiel uns durch eindeutige, wenn auch subtile Äußerungen auf.

Man beachte die drei Namen beim „gefällt mir“! Paul und Pühringer sind bekannt. Wer William Edward Labantschnig ist, ist hier zu lesen.

Es geht übrigens um folgende Zecken:

Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt.

Klaus Siegfried Jessenitschnig stammt aus Linz, das hat er auch im Nacken stehen.

Klaus Siegfried Jessenitschnig wurde 1971 geboren und wäre Anfang der 90er so um die 20 gewesen, also Küssels Zielgruppe „junger deutscher Männer“.

Es könnte aber auch durchaus eine Verwechslung vorliegen, wenn da nicht die letzte und entscheidende Information wäre.

Klaus Jessenitschnigg wurde in Linz auch „Bademantel“ genannt, ein Begriff der auch in Verbindung mit Klaus Siegfried Jessenitschnig vorkommt.

„Heil dir“ stellt in diesem Fall eine Grußformel dar, die in Burschenschafterkreisen gebräuchlich ist.

Er ist (wahrscheinlich) Symposiast, also Mitglied des Akademischen Corps Symposion, einer pflichtschlagenden und farbentragenden Studentenverbindung.

Auch der Umgang mit Gewehren scheint nicht ihm nicht fremd zu sein.

Doch nun zum wirklich Interessanten.

Das die FPÖ-Fraktion des Linzer Gemeinderats etwas „angepatzt“ ist, konnte man ja schon hier lesen.

Wimmer stand in Verbindung mit dem Bund Freier Jugend, Übelacker war Vorsitzender des deutschen, als rechtsextrem eingestuften Witikobundes (merken, Witikobund kommt gleich nochmal vor) und Sebastian Ortner (vormals Mühlegger) war Mitglied der VAPO und wurde von Gottfried Küssel als „stellvertretender Kameradschaftsführer“ tituliert.

Alles kein Problem, Manfred Haimbuchner, Landesparteiobmann der FPÖ Oberösterreich gab Mitte letzten Jahres, in einem Interview mit der ÖSTERREICH, zu Protokoll, dass er bei der Linzer FP-Gemeinderatsfraktion keinerlei rechtsextreme Tendenzen sehe und, dass sich Sebastian Ortner KLAR von seiner Vergangenheit distanziert.

Ende 2010 stellte sich heraus, dass Haimbuchner, seit 2007, stellvertretender Vorsitzender des Witikobund Österreich ist. Zweiter stellvertretender Vorsitzender, seit 2007, ist Horst Rudolf Übelacker, der laut einem deutschen Verfassungsschützer „ganze Regale füllt“.

Doch nun zu…

Sebastian Ortner (Müllegger) und Klaus Siegfried Jessenitschnig(g)

Beide waren in Gottfried Küssels VAPO.
Beide haben ihren Namen geändert, wenn einer auch nur geringfügig.
Einer wurde verurteilt, weil er versuchte, nach dem Verbot der VAPO, diese in Linz wieder aufzubauen und ist jetzt aktiver Burschenschafter.
Einer distanziert sich ganz KLAR von seiner Vergangenheit bei der VAPO und ist jetzt Fraktionsobmann der FPÖ im Linzer Gemeinderat.

Wir möchten nochmal betonen, dass sich Sebastian Ortner (Müllegger) KLAR von seiner Vergangenheit distanziert.

Auch mit anderen Mitgliedern der FP-Fraktion im Linzer Gemeinderat ist Jessenitschnig(g) auf Facebook befreundet.

Manfred Pühringers Verbindung haben wir ja oben schon festgestellt, aber um Verwechslungen zu vermeiden.

Dann hätten wir da noch…

…den Sicherheitsstadrat und Chef des Linzer Ordnungsdienstes.

Mitglied der akademischen Burschenschaft Arminia Czernowitz zu Linz, die sich letztes Jahr folgenden faux pas leistete.

Oben die Einladung der Arminia zum Vortrag von Richard Melisch, unten das Originalsujet aus dem 3. Reich.

Artikel der KPÖ Oberösterreich zu dem Thema.

Detlef Wimmer wurde auch öfter lobend erwähnt, auf der rechtsextremen Internetplattform „Alpen-Donau.info“. Beispiele hier, hier und hier.

Wie oben erwähnt, kam Wimmer in die Kritik, da es während seiner Amtszeit als Landesvorsitzender des RFJ OÖ zu personellen Überschneidungen mit dem Bund Freier Jugend kam und er diese, zumindest duldete.

Jener Bund Freier Jugend, bei dessen Sommerfest 2007 folgendes Foto entstand.

Gottfried Küssel und Felix Budin im sportlichen Wettkampf.

Beide sitzen zur Zeit als mutmaßliche Drahtzieher hinter „Alpen-Donau.info“ in U-Haft.

Markus Hein (Noveska)

Markus Hein hat auch ein Hobby.

Bei seinen Aktivitäten ist auch noch ein zweites angeführt…

Und auch er ist Burschenschafter, wie die Bilder seiner Hochzeit beweisen.

Er ist Mitglied der akademischen Burschenschaft Arminia Czernowitz zu Linz.

Michael Raml

Das Bild stammt aus dem Artikel „HC Strache, Burschenschaft und Lebensgefühl“ und zeigt anhand der linken Wange, dass auch Raml Burschenschafter ist.

Er ist Mitglied der akademischen Burschenschaft Arminia Czernowitz zu Linz.

Aber Michael Raml ist nicht irgendein Armine, im Zusammenhang mit der freiheitlichen Linzer Gemeinderatsfraktion ist er ein ganz besonderer Armine.

In „Völkische Verbindungen“ findet sich auf Seite 77 folgender Satz:

Als der BfJ aufgrund eines herandräuenden Wiederbetätigungsverfahrens 2007 vermehrt in öffentliche Kritik geriet, sekundierte Wimmer (für den sein Arminia-Bundesbruder und Leibfux Michael Raml im RFJ-OÖ die Finanzen regelt) ihm mit der Feststellung, beim BfJ handle es sich um „eine Jugendorganisation wie jede andere auch“.

(Oberösterreichische Nachrichten, 6. 2. 2007).

Eine Erklärung für Leibfux ist hier zu finden.

Die komplette Gemeinderatsfraktion der FPÖ in Linz, wie man deutlich sieht trägt jeder eine „blaue Kornblume“.

Diese wird innerhalb der FPÖ bei konstituierenden Sitzungen getragen, bzw. diente sie als Erkennungszeichen der österreichischen Mitglieder, der in diesem Zeitraum verbotenen, NSDAP von 1933 bis 1938.

Außerdem begegnet uns die blaue Kornblume in Logos, bzw. Abzeichen.

Links das Abzeichen der 22. SS-Kavallerie-Division, rechts das Logo des BFJ.

Klaus Siegfried Jessenitschnig(g) ist auf Facebook auch Mitglied dieser Gruppe.

In dieser 56 Mitlgieder zählenden Gruppe finden sich unter anderem…

Wolfgang Zanger
(Abgeordneter zum Nationalrat der FPÖ, Mitglied der Schülerverbindungen Corps Austria Knittelfeld und Corps Vandalia Graz)

Günther Steinkellner
(Abgeordneter und Klubobmann der FPÖ im oberösterreichischen Landtag, 1991 – 2002 Mitglied der FP-Gemeinderatsfraktion Leonding, Mitglied der Studentenverbindung Corps Alemannia Wien zu Linz, davor Mitglied der pennalen Burschenschaft Hohenstaufen zu Linz)

Birgitt Thurner
(Pressereferentin der FPÖ OÖ, FPÖ Stadtparteileitung Leonding, Mitglied der FP-Gemeinderatsfraktion Leonding)

Peter Gattringer
(Mitglied der FP-Gemeinderatsfraktion Leonding, Mitglied der pennalen Burschenschaft Hohenstaufen zu Linz)

(Burschenbundball 2009, Quelle: www.hohenstaufen.at)

Peter Hametner
(Mitglied der FP-Gemeinderatsfraktion Leonding, laut Vereinregisterauszug Obmann der Pennal conservativen Burschenschaft Donauhort Aschach)

Peter Hametner ist außerdem ein Facebookfreund von…

(Quelle: http://www.cityfoto.at/galerie/5897/16/0)

Das letzte Mitglied der Gruppe, auf das wir näher eingehen ist…

Gerhard Wolf
(Nachfolger von Detlef Wimmer in der Funktion des Landesvorsitzenden des RFJ OÖ, Mitglied der FP-Gemeinderatsfraktion Leonding, Mitglied der pennalen Burschenschaft Hohen Staufen zu Linz)

(Burschenbundball 2009, Quelle: www.hohenstaufen.at)

Auch er ein Facebookfreund von…

In der ÖSTERREICH vom 2.6.2011 stellte sich die Journalistin Jessica Hirthe die Frage warum der FPÖ OÖ – Landeschef Manfred Haimbuchner, der die „Politik der Mitte“ ausgerufen hat, dem Treiben seiner Parteikollegen tatenlos zusieht.

Ein Grund, warum der stellvertretende Vorsitzende des Witikobund Österreichs tatenlos zusieht, könnte sein, dass er, wie Günther Steinkellner,…

(Quelle: http://www.cityfoto.at/galerie/5897/16/0)

…Mitglied der Studentenverbindung Corps Alemannia Wien zu Linz ist. Hier in durchaus typischer Burschenschafterpose am Burschenbundball 2011 in Linz. Sein Vorgänger, Lutz Weinzinger, ist übrigens Mitglied der Wiener Akdemischen Burschenschaft Bruna Sudetia und gab schon mal Sachen wie „national heißt für mich deutsch“ zum Besten.

Facebookfreunde von Klaus Siegfried Jessenitschnig(g) im österreichischen Nationalrat.

(„Alter Herr“ der Burschenschaft Brixia zu Innsbruck)

(Mitglied der Wiener Akademischen Burschenschaft Olympia, der auch der 3. Nationalratspräsident Martin Graf angehört)

(Vizeparteichef der FPÖ, fordert eine Volksabstimmung zum NS-Verbotsgesetz, da er für „freie Meinungsäußerung“ wäre)

(Unser Artikel zu ihrer Freundesliste)

Zum Abschluss noch einige Bilder aus dem Facebookprofil von Klaus Siegfried Jessenitschnig(g).

Klaus Siegfried Jessenitschnig(g) ist auch als Hellseher tätig, denn er hat uns kommen sehen.

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10 Antworten zu Rein in die Legalität – Das Vermächtnis der VAPO

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  2. Saubermann schreibt:

    Das Churchill-Hitler-Bild ist genial, zeigt es doch die Schizophrenie der Rechts-Rechten deutlich auf.
    Nach außen den Holocaust leugnen, kleinreden und relativieren, wo es nur geht. Intern aber doch stolz drauf sein, was die Vorfahren denn so tolles „erreicht“ haben…
    Passt auch gut zur Opferrolle, in der man sich als Täter sehr wohl fühlt.

  3. Saubermann schreibt:

    Ach ja, das Melonenbild verstehe ich nicht ganz… wo ist da ein Stereotyp?
    Der gierige „Neger“, der alle Melonen an sich rafft?
    Die Afrikaner, die immer jammern, weil sie verhungern, aber in Wirklichkeit die Melonen horten?
    Ich stehe echt auf der Leitung.
    Allerdings weiß ich schon, dass nicht *ihr* die seit, die die Gedanken der Rechtsrechten erklären müsst.

  4. Terra schreibt:

    @Saubermann: Das mit der Melone ist ein rassistischer Internetwitz. Weil ja Afrikaner nur Melonen/KFC essen und dann so gierig auf die sind. Zu 90% von Internettrollen verwendet, aber es gibt auch noch 10% die so etwas auch ernst nehmen…

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  7. Klugscheißer Nr. 1 schreibt:

    Nicht Corps Symposion. Aktuell ist der bei irgendeiner pennalen Burschenschaft um in den Korporationskreisen bleiben zu können. Der war mal bei der Alten Prager Landsmannschaft Böhmerwald zu Linz, welche ihn aber inzwischen rausgeschmissen hat.

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